Eigenartig oder genial?

Die Karriere des Leipziger Galeristen Gerd Harry Lübke

„Ein Spinner ist das“, bekam man in den Achtziger Jahren von Leipzigern zu hören, wenn man von „Judy“ Lübke sprach. Einer, der sich selbst zum Galeristen ernannte, verbotene und zweifelhafte Künstler ausstellte und zwischen schrägen Bildern wilde Happenings organisierte – da schüttelten sogar Regime-Gegner ihre klugen Köpfe. Die Künstler der Galerie „Eigen + Art“ rekrutierten sich vornehmlich aus Studenten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. In Judy Lübkes Hinterhof zelebrierten sie als „Neue Unkonkrete“ ihren ästhetischen Widerstand gegen das Kunstdogma des sozialistischen Realismus. Dafür drohte ihrem „Hausherren“ mehrfach die Abschiebung in den Stasi-Knast.

Heute ist Gerd Harry Lübke der erfolgreichste Galerist Deutschlands. LuebkeWas für DDR-Ideologen sturer Eigensinn war, erwies sich nämlich als sicherer Kunstgeschmack, der sich weder durch Dogmen noch durch Trends beirren läßt.

Nach dem Zusammenbruch der DDR bewies der einstige „König der Bohemiens“ auch, daß er alles andere als ein abgehobener Spinner war. Realitätsbewußtsein, gesunder Geschäftssinn und die Fähigkeit, Netzwerke zu nutzen und zu schaffen, bescherten ihm bald kommerziellen Erfolg als Galerist.

Doch was ihm niemand nachmachen kann, ist die Geschichte, die ihn mit vielen seiner Künstler verbindet. Ehemals verboten und bespitzelt ist „Art from Leipzig“ heute ein Kassenschlager in der internationalen Kunstszene. Lübkes Künstler Neo Rauch, David Schnell, Martin Eder gehören zu den hochdotiertesten in Deutschlands.

Ihr Galerist könnte sich in New York etablieren, wenn er wollte. Doch der tut etwas ganz anderes. Nach erfolgreichen Jahren in der Berliner Kunstszene half er nun in seiner Heimatstadt Leipzig einem groß angelegten Kunst-Projekt aus der Taufe. In einer ehemaligen Baumwollspinnerei präsentieren sich Leipziger Galerien und Ateliers, allen voran die Galerie „Eigen+Art“.

Während andere das Klagelied des Identitätsverlustes singen, geht Lübke „back to the roots“. Für verrückt erklärt ihn niemand mehr. In der Presse spricht man eher neidvoll vom „Trüffelschwein“, wenn es um Lübkes sicheren Spürsinn für gute Kunst geht.
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