Die Hitlertagebücher des Konrad Kujau

Dem Kunstmaler Konrad Kujau aus Süddeutschland ist 1983 ein „Supergau“ der Fälschung geglückt. Allerdings weniger was die Kunstfertigkeit seiner Fälschungen angeht. Der Fall führte zu einem der größten Medien-Skandale Deutschlands.

HitlertagebuecherMit der Behauptung, er habe originale Hitlertagebücher gefunden, entlockte Kujau einem Stern-Reporter journalistisches Interesse und das Versprechen von 9,3 Millionen Annkaufspreis. Stück um Stück lieferte Kujau dem Reporter in geheimen Treffen die Kladden des ehemaligen „Führers“ aus. Angeblich seien sie bei einem Flugzeugabsturz in die schwäbischen Niederungen gefallen. Von Treffen zu Treffen schrieb Kujau ledergebundene Bücher mit angeblichen Gedanken und Bekenntnissen Adolf Hitlers voll. Als ihm die Ideen für seine Rollenprosa ausgingen, schrieb er auch mal ganze Hitler-Reden im originalen Wortlaut ab. Auch bei der Anschaffung der leeren Bücher hatte er sich keine besondere Mühe gegeben. Sie wurden nach 1945 produziert, was Kriminologen labortechnisch sehr schnell heraus fanden. Verhängnisvollstes Indiz: Die Einband-Initialen in Sütterlin-Schrift bedeuteten nicht A H sondern F H. Das hätte dem erfahrenen Fälscher eigentlich auffallen müssen. Kujau hatte seine Karriere im Bereich der Schrift-Fälschung begonnen. Schon als Zehnjähriger hatte das ehemalige DDR-Kind sich mit „echten Autogrammen“ der DDR-Staatsmänner ein paar Groschen verdient.

Nach einem Kunststudium in Stuttgart versuchte er sich eine Zeit lang am Kopieren von Originalen.

Die „Fälschung“ der Hitler-Tagebücher war im Grunde eine Erfindung. Ob der jähzornige Diktator jemals die Muse hatte, Tagebuch zu schreiben, bleibt fraglich. Die verrückte Idee kostete Konrad Kujau drei Jahre Haft, dem Magazin „Stern“ allerdings einen gewaltigen Image-Verlust. Denn noch bevor die Echtheit der Manuskripte geprüft worden war, hatten Schlagzeilen die sensationelle Entdeckung angekündigt, und Artikel orakelt, nach Lektüre dieser Bücher müsse die jüngste Geschichte Deutschlands neu geschrieben werden.

Die Stern-Blamage wurde auch nicht dadurch gemildert, daß der verantwortliche Reporter gleich mit ins Gefängnis geschickt wurde. Von den 9,3 Millionen sind angeblich nur 2,3 bei Kujau angekommen. Wo die restlichen sieben geblieben sind, ist bis heute ungeklärt.

Kujau zumindest konnte sein Image als Fälscher nach seiner Haftentlassung gewinnbringend ausbauen. Mit einigem Erfolg verkaufte er handgefertigte Kopien berühmter Originale. Seine Signatur neben dem kopierten Signum von Picasso oder Heckel ist manchem Käufer eine hohe Summe wert. Kujau starb 2000 in Stuttgart.

Der Münchner Filmemacher Helmut Dietl hat ihm mit seinem Film „Schtonk“ ein ironisch-amüsantes Denkmal gesetzt.

galerie-ausstellung Impressum    Pressestimmen
Hitlertagebücher - Konrad Kujau - Stern - Fälscher - Hitler-Tagebücher