Kunst als Geldanlage?
Pro und Contra
Seit 2002 machen Auktionshäuser Umsätze wie nie zuvor. Der Aktienmarkt ist instabil geworden und das Gemälde oder die antike Vase kommen als Geldanlage wieder in Mode. Internationale Investment-Firmen organiseren neuerdings Kunstkäufe für ihre Kunden. Auch Banken erwähnen Kunstwerke als alternative Anlageformen. Kunstkenner begrüßen natürlich jeden neuen Trend, in Kunst zu investieren. Er hilft jungen Künstlern zur Existenz-Sicherung und steigert das öffentliche Interesse an Kunst. Doch fürchten Sammler und Liebhaber auch, daß der ideelle Wert der Kunst auf diese Art verloren geht.
Lesen Sie hier Argumente, die für bzw. gegen den Erwerb eines Kunstwerks als Geldanlage sprechen.
PRO GELDANLAGE
- Kunstwerke sind als bleibende Originale von beständigem Wert, der sich finanziell ausdrücken läßt. Ihre Einmaligkeit macht sie Börsen-unabhängig.
- Für Kunstwerke arbeitet die Zeit. Je älter sie sind, um so wertvoller. Die besten Auktionsergebnisse erlangen derzeit Gemälde aus dem 19. Jh. Zu Lebzeiten hat van Gogh kaum von seinen Bildern leben können. In Börsensprache: Hier lauern sensationelle Renditen.
- Kunst ist als „Erbmasse“ steuerlich leichter zu handhaben als Geldanlagen oder Aktien.
- Der Erwerb von Werken „nicht anerkannter“ Künstler kann steuerlich abgeschrieben werden.
- Kunst ist die schönste Geldanlage überhaupt. Sie bietet ihrem Besitzer ästhetischen Genuß.
- In „Artotheken“ (Kunstwerk-Verleih) kann mit der „Geldanlage“ ein zweites Geschäft gemacht werden.
- Wer Kunstwerke erwirbt, fördert die Entwicklung der Künste und genießt als Sammler ein hohes Ansehen.
CONTRA GELDANLAGE
- Die Schätzung eines Kunstwerkes ist schwierig. Unter Experten gibt es keine einheitlichen Maßstäbe sondern nur Richtlinien zur preislichen Beurteilung eines Werkes. Außerdem provozieren Trends, Liebhaberpreise oder besondere Sammler-Interessen starke Preis-Schwankungen.
- Wer in Kunst investiert, muß einen langen Atem haben. Ein Wiederverkauf rentiert sich oft erst nach Jahrzehnten.
- Der Verkauf von Kunst ist nicht so einfach wie das Abstoßen von Aktien. Die Veräußerung eines Kunstwerkes ist ein Prozeß, an dem Galeristen, Gutachter und Auktionshäuser beteiligt sind.
- Kunst dient in erster Linie der ideellen Bereicherung des Lebens und sollte deshalb nicht im Zentrum von Geldgeschäften stehen.
Einsteigertipps
Wer sich nun nach reiflicher Überlegung zum ersten Mal zum Kauf eines Kunstwerkes entscheidet, sollte sich viel Zeit nehmen, um die Kaufentscheidung vorzubereiten. Kunstkenner raten Folgendes:- Einsteiger sollten zunächst ihr Interessengebiet eingrenzen und genau überlegen, wie hoch ihr Budget sein soll. So sind kleinere Druckgraphiken von namhafteren Künstlern bereits ab 300 € zu haben.
- Wer entschieden hat, in welchem Segment er kaufen möchte (Ölbild, Durckgrafik, Skulptur, moderne Kunst, Klassiker usw.) kann auf gezielte Weise Informationen einholen. Dies kann durch Gespräche mit verschiedenen Galeristen geschehen. Auch das Internet bietet bei gezielter Suche viele wertvolle Informationen.
- Für Liebhaber der Modernen Kunst gibt es in Deutschland zwei Kunstmessen, auf denen alle namhaften Künstler und Galeristen vertreten sind. Die Art Cologne und das Art Forum Berlin. Hier bietet sich die beste Gelegenheit, Kunst im Original kennen zu lernen und zu vergleichen. Hier ist ein schneller Einkauf ohnehin selten möglich. Die Stars der Modernen Kunst-Szene sind meistens über Jahre im Voraus ausverkauft.
- Ratgeber nutzen! So erstellt die Zeitschrift „Capital“ einmal im Jahr einen Kunst-Kompaß mit wichtigen Tipps zur aktuellen Szene.
- Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft die Maler der klassischen Moderne. Picasso also. Oder Nolde. Hier ist der Einstiegspreis allerdings so hoch, daß man sich auch ein Haus kaufen könnte.
- Die höchste Rendite lauert allerdings dort, wo auch das größte Risiko wartet: Der unbekannte Künstler, der schon morgen ein Stern am Kunsthimmel sein kann. Hier gilt: Es ist eine Kunst, in Kunst anzulegen. Die wichtigste Empfehlung lautet deshalb: Der Käufer sollte als erstes selbst von der bleibenden Schönheit des erworbenen Kunstwerkes überzeugt sein.
Buchtipps
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Kunstmessen
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