Kriminell oder genial?
Edgar Mrugalla war der König der Fälscher

Als man im Pariser Louvre eine Fälschung von Edgar Mrugalla enttarnt hatte, soll eine Kuratorin anstelle des erwarteten Zorns mit Bewunderung reagiert haben. Der Mann habe „Goldhände“, so lautete ihr anerkennendes Urteil.

GemaeldeAngefangen hat die Karriere des erfolgreichsten deutschen Kunstfälschers mit einem Original. Der bettelarme Mrugalla war von Kindheit an durch die Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit hin und her geschleudert. Nach einer dürftigen Schulausbildung arbeitete er als Dampfschiff-Heizer, Preisboxer und Lastwagenfahrer. Als Entrümpelungshelfer fand er bei einer Wohnungsauflösung ein Bild und verkaufte es für 50 Mark. Es war ein echter Caspar David Friedrich. Als er Tage später das Bild für siebzigtausend in einem Auktionshaus wieder sah, quälte ihn bittere Reue. Mrugalla faßte einen Entschluß. Nie wieder wollte er ein Kunstwerk verkennen, am besten aber Objekte zu vergleichbaren Preisen schaffen.

Er begann die Werke großer Maler zu kopieren. Angeblich nur, weil er die Techniken berühmter Maler verstehen wollte, wie er später einer Juristin gegenüber beteuerte. Mit seinem Training brachte es der Autodidakt schnell zur Perfektion. Doch nicht nur Mrugallas technisches Geschick, auch die Einfühlsamkeit in die Stimmung des originalen Werkes sei einzigartig, hatte die Louvre-Angestellte bei der Enttarnung geschwärmt.

Mrugalla, der stolz darauf ist, so große Hände wie Picasso zu haben, war auch so fleißig wie der hyperproduktive Franzose, den er besonders oft kopierte. Bis zu 3.500 Fälschungen hat Mrugalla in fünfzehn Jahren in Umlauf gebracht.

Doch irgendwann flog der Schwindel doch auf und es kam zur Anzeige. Im Ermittlungsverfahren half er dann selbst bei der Enttarnung seiner Fälschungen. Das brachte ihm mildernde Umstände, und er kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Heute gibt der König der Fälscher Malunterricht an der Nordsee und kämpft als Künstler um einen eigenen Stil. Da die hohe Qualität seiner Fälschungen sogar gerichtlich anerkannt wurde, kann er inzwischen auch seine Kopien zu passablen Preisen verkaufen.

Bis zu 2.000 Mrugalla - Fälschungen sind vermutlich noch im Umlauf. Bei gelegentlichen Museumsbesuchen passiert es dem Ex-Fälscher schon mal, daß er eine seiner Kopien entdeckt. Dann macht er die Direktion pflichtbewußt auf die fehlende Echtheit des Werkes aufmerksam.

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